Mustafa Akyol und eine islamische Reformation
Mustafa Akyol ist ein türkischer Journalist der für die englischsprachige Hürriyet Daily News und für die türkische Star schreibt. Seine Artikel wurden auch schon in namhaften Zeitungen wie der Washington Post, oder im Wall Street Journal gedruckt.
Ich verfolge Akyols Tätigkeit schon seit einigen Jahren und muss an dieser Stelle zugeben, dass ich seine Äußerung sehr kritisch betrachte. In der türkischen Parteienlandschaft unterstützt Akyol die derzeitige Regierungspartei AKP und er ist auch in Vergangenheit sehr häufig mit unterstützenden Worten dieser Partei entgegengekommen.
Was ich Akyol trotz meiner Kritik, die auch weiterhin bestehen bleibt, anrechnen muss sind seine Artikel über den möglichen reformfähigen Charakter des Islams. In seinem neuen Buch Islam without Extremes: A Muslim Case For Liberty geht Akyol unter anderem der Frage nach, in weit der Islam reformierbar ist, wo genau die Wurzeln des islamischen Extremismus liegen und wie eine liberal islamische Religion auch in der Tradition dieser Religion begründet werden kann.
Die Notwendigkeit eine alternativen Interpretation wird nur erfolgreich sein, wenn sich liberale Köpfe wie Akyol in diesem diskussionsbedürftigen Prozess mit einbinden. In seinem Buch bietet Akyol für gläubige Muslime eine konstruktiven Sonderweg fernab von streng salafistischen Interpretationen des Koran. Er verdeutlicht z.B. bei einem Auftritt der Universität Warwick in Zusammenarbeit mit TED, die Fragwürdigkeit der Hadithe, die nach dem Tod Mohammeds sehr großen Einfluss auf die Religionsausübung nahmen und heutzutage immer noch tun.
Ähnlich argumentiert auch Reza Aslan, der in seinem Buch No god but God dieselben Fragen beleuchtet und das islamischen Spektrum und die historisch verschiedenen Einflüsse im Islam aufzeigt. Es scheint beide Autoren haben es sich zur Aufgabe gemacht eine Zusammenführung von Liberalismus und Islam zu ermöglichen, zumindest stoßen sie als gläubige und praktizierende Muslime in eine positive Richtung, ermöglichen dadurch eventuell eine interne Debatte über den Islam, mit Betrachtung der reformistischen Bewegung innerhalb dieser Religion, die es ja durchaus gegeben hat (vgl. Geert Hendrich, Arabisch-islamische Philosophie).
Was man Akyol weiterhin ankreiden muss sind seine verhältnismäßig milde Kritik gegenüber der AKP in Bezug auf ihre fragwürdig Politik an manchen Stellen. Es scheint Akyol ist freiwillig blind auf einem Auge und bemängelt manche Position nur in allerhöchster Not der Rechtfertigung.
Ich werde ihn weiterhin kritisch betracht, jedoch zugleich begrüßen, wenn es zu positiven Entwicklungen durch ihn kommt und diese sich nicht lediglich als Lippenbekenntnisse erweisen.
Ich bin auch nicht in allem mit ihm einverstanden was die Regierung betrifft, aber er vertirtt freiheitliche Positionen und keine Verbote. Insofern finde ich seinen Liberalismus nötig und wichtig. Es gibt natürlich auch eine nicht-dogmatische Linke mit freiheitlichem Verständnis, die aber leider in der Parteienlandschaft vertreten ist, zumindest keine Partei, die im Parlament vertreten ist (spontan fällt mir die EDP ein).
Die Notwendigkeit liberaler Köpfe ist keine Frage und Akyol sorgt sicherlich für einen ausgewogenen Diskurs, ich befürchte nur, wie es geschildert haben, die politische Landschaft ist dürftig besetzt mit diesen Leuten.